Proband im Haarwaschsalon vom BCI-Labor.

Warum das BCI Labor über einen Haarwaschsalon verfügt

Neben Prof. Dr.-Ing. Ivan Voloysak steht ein großes glänzendes Schachbrett aus Acrylglas und darauf die üblichen Schachfiguren. Kabel führen aus dem Brett zu technischen Komponenten wie einem Mikrocontroller-Board und einem Rechner.

„Um die Figuren zu bewegen, braucht es mehr als die Kraft der Gedanken. Wir können mit unseren Gehirnsignalen gewünschte Züge kommunizieren, aber dafür benötigen wir eine Verbindung zwischen Gehirn und Schachspiel,“ erklärt Ivan Volosyak.

Diese Verbindung wird mithilft der Elektroenzephalografie (EEG) hergestellt. Das EEG ist eine nicht-invasive, schmerzfreie Untersuchungsmethode, die beispielsweise zur Diagnose von Hirnschädigungen eingesetzt wird. Im BCI-Labor mit einem anderen Ziel: „Wir wollen und können keine diagnostischen Untersuchungen anbieten. BCI steht für Brain-Computer Interface, also Gehirn-Computer Schnittstellen. Wir möchten Menschen die Möglichkeit geben, mit Hilfe eines Computers mit ihrer Umgebung zu interagieren.“ Einsatzszenarien sind z. B. die Steuerung von Robotern oder Prothesen – oder eben von Schachfiguren.

Und das funktioniert so: Die Felder des Schachbretts (und sich ggf. darauf befindende halb-durchsichtige Schachfiguren) flackern in verschiedenen Frequenzen. Schaut man auf ein ausgewähltes Feld, erzeugen die Nervenzellen des Gehirns entsprechende elektrische Signale. Werden diese mit EEG-Elektroden gemessen, kann der Computer die angeschaute Schachfigur eindeutig identifizieren und auswählen. Dabei werden die Elektroden üblicherweise in einer EEG-Kopfhaube befestigt. Auf die Kopfhaut wird ein Gel aufgebracht , welches die notwendige Leitfähigkeit herstellt.

Ivan Volosyak lacht: „Das Gel ist leicht auswaschbar. In unmittelbarer Nähe zu unserem Labor haben wir für unsere Proband*innen einen kleinen Haarwaschsalon eingerichtet.“

Dann wird er ernst: „Das EEG kennen viele aus neurologischen Untersuchungen. Es kann weder Gedanken lesen noch aufzeichnen. Und wir können damit auch keine Signale ins Gehirn schicken bzw. Gedanken platzieren.“ Es ist  eine einseitige Kommunikation von Nervenzellen zum Computer über die Elektroden. Trotzdem komme es leider immer wieder vor, dass das Thema Gehirn-Computer-Schnittstellen Anlass für Verschwörungstheorien biete, die teilweise in realen Drohszenarien enden. „Wer es selbst einmal ausprobieren möchte, ist als Proband*in herzlich willkommen. Denn zur Verbesserung unseres Forschungssystems ist es notwendig, die EEG-Signale von mehreren Probanden/innen zu untersuchen“, lädt Ivan Volosyak ins BCI Labor ein.

Nach oben scrollen