Viele von uns hatten mit den Hitzewellen Anfang Juli und Mitte August zu kämpfen. Durch die Medien werden an solchen Tagen vermehrt Gesundheitstipps vergeben. Aber auch Straßenbäume haben dann Stress, um beim Eingangsbeispiel zu bleiben. Wenn wir nun wüssten, dass der Boden gerade extrem austrocknet, könnten wir mit einem Eimer Wasser entgegensteuern. Vielleicht auch im Vorgarten des Nachbarn, der gerade im Sommerurlaub weilt.
Helfen könnte der tägliche Blick auf die Umweltdaten von Kleve, wenn sie denn so lokal zur Verfügung ständen, dass man erkennt, dass die eigene Straße gerade betroffen ist. Shivashish Pachauri und sein Team Umweltdaten sind Kollegen bei einem Unternehmen, dass sich auf Hardwarelösungen im B2B Sektor konzentriert. Sie haben sich mit der Idee für ein gemeinschaftliches Umweltdatennetzwerk in Kleve für die Klever Birne 2025 beworben. Warum ausgerechnet die Klever Birne? Shivashish ist Absolvent der Hochschule Rhein-Waal. Auch wenn er sein Mechatronik-Studium 2024 erfolgreich abgeschlossen hat, ist er Kleve noch immer verbunden.
Netzwerk und Daten
Die Idee vom Team Umweltdaten ist es, Sensoren an kritischen Punkten zu platzieren und mittels Mesh-Netzwerk umweltbezogene Daten wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und -qualität, Bodenfeuchtigkeit, Wasserpegel, UV-Index und Licht zu sammeln und zu teilen. Der Clou sind die vom Team entworfenen Sensoren und das Mesh-Netzwerk.
Mesh ist englisch für ineinandergreifen. Anstatt, dass wie in anderen Netzwerken üblich, ein Gateway, also eine Verbindung, für jeden einzelnen Sensor benötigt wird, um die gesammelten Daten weiterzugeben, sind die Sensoren im Mesh-Netzwerk miteinander verbunden. Das bedeutet sie kommunizieren untereinander und brauchen lediglich ein einzelnes Gateway, das mit dem Internet oder einem Server verbunden ist, um die Daten zu senden und mittels einer Webseite oder einer App für Nutzer*innen sichtbar zu machen.
Ein wesentlicher Vorteil dieser Architektur liegt in der hohen Ausfallsicherheit: Wenn einzelne Knoten defekt werden, bleibt das gesamte System funktionsfähig, da die Daten automatisch alternative Routen durch das Netzwerk finden. Nur die ausgefallenen Knoten müssen ersetzt werden. Die Erweiterung des Systems ist ebenso unkompliziert. Neue Knoten werden einfach eingeschaltet und an der gewünschten Position platziert – das Mesh-Netzwerk erkennt sie automatisch und integriert sie nahtlos in das bestehende System. Da nur ein einziges Gateway eine Internetverbindung benötigt, sparen alle anderen Knoten sowohl Kosten als auch Energie. Denn sie benötigen weder eigene Mobilfunkverträge noch energieintensive Internetverbindungen. Ihre Daten werden einfach von Knoten zu Knoten bis zum Gateway weitergeleitet.
Beginnen möchte das Team mit 25 Sensoren an dürregestressten Standorten sowie als Überschwemmungsüberwachungspunkte an Rhein und Niers. Daran schließt eine Gemeinschaftserweiterung an: Für 50 Euro können Nachbarschaftsgruppen, einzelne Bürger*innen, aber auch Institutionen und weitere Gruppen Sensoren beschaffen und aufstellen. „Je mehr Sensoren, desto genauer die Informationen, die allen zugänglich gemacht werden“, erläutern Shivashish und seine Kollegen. Sie legen Wert darauf, dass das Umweltdatennetzwerk DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung)-konform ist: „Wir sammeln und übertragen keine persönlichen Daten, lediglich anonyme Umweltmessungen werden geteilt.“
Gemeinschaft außerhalb der Datenwolke
Für Shivashish und sein Team ist das Umweltdatennetzwerk ein Beispiel für innovative Umweltdemokratie. Bürger*innen erhalten direkten Zugang zu Echtzeitdaten über ihre unmittelbare Umgebung. Denkt man größer, so müssen die Umweltdaten nicht in Kleve bleiben, sondern können für grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit niederländischen Gemeinschaften genutzt werden. Auch für die Bereitstellung der Daten für Forschungsprojekte der HSRW ist das Team offen.
„Unser Umweltdatennetzwerk unterstützt Menschen Umweltverantwortung zu übernehmen und zu aktiven Klimaanpassungsteilnehmenden zu werden. Beispiel Straßenbaum: In Perioden extremer Trockenheit können sich Nachbarn finden, die Notbewässerungsteams bilden, ihre Gartenschläuche teilen und Zeitpläne zum Wässern koordinieren.“
Erhoffter Nebeneffekt: eine langfristige Verhaltensänderung in allen demografischen Gruppen. Denn jede*r, der sich in einem Notbewässerungsteam einbringt, beschäftigt sich automatisch mit dem Thema Wasserknappheit und Dürre und beginnt vielleicht sich mit dem eigenen Wasserverbrauch auseinanderzusetzen.
Neugierig geworden? Dann in den kommenden Wochen bis zur Preisverleihung der Klever Birne am 11. September 2025 die Einzelvorstellungen der diesjährigen Finalist*innen hier auf unserer Webseite oder auf unseren Social-Media-Kanälen anschauen und genauer informieren. Der Zugang zur Preisverleihung ist kostenfrei, allerdings wird um Anmeldung gebeten.
