625 Pflanzen in anderthalb Stunden – so viele Pappelstecklinge pflanzte Peter Eßer, „Der Gänsepeter“ aus Rommerskirchen, zusammen mit seinem Sohn Sebastian Eßer, Jannis Menne aus unserem Team Agroforst Reallabor und Mitarbeitenden der Gänsepeter GmbH auf einer Ackerfläche. So entstand ein zunächst reines Pappel-Agroforst, also eine Kombination aus Pappelreihen und Ackerkultur, in diesem Fall Mais. Im Herbst soll eine weitere Reihe einheimischer Energie- und Werthölzer das System erweitern. Peter Eßer und Jannis Menne berichten im Interview von Planung, Pflanzung und Pflege.

Peter Eßer, besser bekannt als „Der Gänsepeter“, lebt mit seiner Familie, einigen tausend Gänsen und anderem Geflügel auf seinem Hof in Rommerskirchen. Schon heute laufen bei ihm Gänse durch Maisfelder.

Jannis Menne ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team Agroforst Reallabor. Er hat bei der Planung und Pflanzung des Agroforstsystems mitgewirkt und erforscht das Nutztierverhalten – in diesem Fall von Gänsen – in Agroforstsystemen.
Ihr habt im Mai mit der Pflanzung eines neuen Agroforsts begonnen. Wie kam es zu der Entscheidung, ein Pappel-Agroforst anzulegen?
Peter: Wir haben überlegt, was können wir hier pflanzen? Die Ackerfläche ist zwei Hektar groß. Im Wesentlichen ging es darum, die Fläche zu strukturieren und eine Beschattung zu schaffen. Normalerweise ist Mais die Kultur, die wir bevorzugen, um Gänse auf die Fläche zu bringen. Wir lassen die Gänse den Mais als Futter abernten und gleichzeitig dient er als Witterungsschutz und Beschäftigung für die Tiere. Wir haben in Zukunft jedoch das Problem, dass wir nicht mehr Mais auf Mais anbauen dürfen. Und da sind wir eigentlich relativ schnell bei der Pappel gelandet, weil das ein schon ausprobiertes System ist. Es gibt Pflanzgut in guter Qualität.
Jannis: Es ging vorrangig darum, Witterungsschutz für die Gänse auf der Fläche zu schaffen. Da bietet sich die Pappel als schnell wachsendes Gehölz super an. Ein Pappel-Agroforst ist im Vergleich zu anderen Systemen recht kostengünstig, weil die Stecklinge in der Anschaffung sehr viel günstiger sind als zum Beispiel veredelte Obstgehölze. Der letztliche Impuls, ein Pappel-Agroforst für Energieholz zu pflanzen, kam von Peters Sohn, von Sebastian Eßer.
Wie lange hat es gedauert von der Planung bis zur Pflanzung des ersten Pappelbaums?

Jannis: Die Planung verlief über mehrere Monate. Wir haben erst mal mit Ideen hin und her gespielt, bis die Pappel als Hauptbestandteil des Systems feststand. Anschließend haben wir geschaut, wie wir die Streifen sinnvoll auf die Fläche legen und die Pflanzabstände ausgearbeitet.
Peter: Ich habe mich mit unserem Bewirtschafter abgestimmt, wie er das technisch lösen kann. Die Pflanzenschutzspritzen sind heute sehr breit und irgendwie muss in der Ackerkultur, die dazwischen steht, ein Pflanzenschutz möglich sein. Wir sind ja kein Biobetrieb, sondern hier wird ganz normal Ackerbau betrieben. Das war dann ausschlaggebend dafür, dass wir gesagt haben, wir bekommen eine Dreierreihe und drei Doppelreihen mit Gehölzen auf dieser Fläche untergebracht. Der Dienstleister hat uns dann mit seinem Traktor und RTK-GPS die zukünftigen Agroforststreifen auf der Fläche markiert.
Jannis: Wir haben insgesamt vier Agroforststreifen auf der Fläche. Mit den Abständen der Pflanzen zueinander haben wir ein bisschen was ausprobiert. In der ersten Reihe haben wir zum Beispiel einen Pflanzabstand von zwei Metern gewählt. In der zweiten Reihe haben wir unterschiedliche Pflanzabstände von zwei Metern, 1,5 Metern und drei Metern getestet, sodass man einen weiten Abstand direkt neben einem kurzen Abstand hat, um so eventuelle Auswirkungen auf den Wuchs demonstrieren zu können. Die einzelnen Baumstreifen zueinander haben drei Meter Abstand.
Wie lief die Pflanzung ab? Wie viele helfende Hände waren nötig?

Peter: Das Pflanzen hat super gut geklappt. Wir haben mit einem Tiefenmeißel eine Furche gezogen. Eine Person ist hinter dem Tiefenmeißel gegangen und hat die Pflanzabstände mit auf Länge gesägten Dachlatten markiert.Zwei weitere Personen haben dann die Pappel-Stecklinge (1,5 m lang) 50 bis 60 Zentimeter tief in den Boden gesetzt. Die reine Pflanzarbeit von 625 Pappeln hat lediglich anderthalb Stunden gedauert. Das ging also sehr schnell.
Habt ihr die Stecklinge am Anfang gewässert und wie sieht es jetzt mit der Bewässerung aus?
Peter: Grundsätzlich haben wir einen sehr gut wasserhaltenden Boden. Wir haben hier einen Lösslehm mit im Schnitt ca. 90 Bodenpunkten. Eine Woche bevor wir gepflanzt haben, gab es ein Gewitter mit 50 Millimeter Regen. Es sind ein paar Pflanzen nicht angeschlagen, die habe ich dann händisch noch mal nachgewässert. Aber das Ziel ist ohne Bewässerung auszukommen. Ich denke unsere Böden geben das her. Die Pappel kommt zudem auch ohne Wasser gut aus, zumindest hier bei uns.
Jannis: Was man bei der Pflanzung auch super gesehen hat, ist, dass in der Furche des Tiefenmeißels noch genug Restfeuchte im Boden war. Und deswegen wurde dann auch direkt nach der Pflanzmaßnahme der Schlitz von dem Tiefenmeißel händisch wieder zugeschoben, um eben diese Feuchtigkeit nicht zu verlieren.
Die Pappeln dienen nicht nur als Schattenspender für die Gänse, sie sollen auch geerntet werden. Wie genau können wir uns das vorstellen?
Peter: Der Plan ist die Pappeln nach sechs bis acht Jahren zu ernten. Das heißt sie werden ungefähr auf einem Meter Höhe komplett gekappt (auf Stock gesetzt). Im Idealfall haben sie dann einen Durchmesser auf Brusthöhe von 20 Zentimetern. Geerntet wird, um die Hölzer als Hackschnitzel zu nutzen. Die verbliebenen Stöcke treiben an der Seite wieder aus. Nach weiteren sieben Jahren und dann noch ein drittes Mal wieder nach sieben Jahren kann man nochmal ernten. Nach drei, maximal vier Zyklen muss dann eine Komplettrodung stattfinden.
Wie sieht es mit Pflegemaßnahmen auf der Fläche aus?

Peter: Die Fläche soll schwarz gehalten werden, das heißt, dass Bewuchs entfernt wird, weil diese Pflanzen eine Konkurrenz zur Pappel bilden. Irgendwann wird das keine Rolle mehr spielen und der Gedanke ist, die Gänse irgendwann hier zwischen laufen zu lassen. Wenn der Stamm der Pappel stark genug entwickelt ist, werden die Gänse keinen Schaden mehr anrichten. Wenn ich die Gänse jetzt hier laufen lassen würde, hätten wir einen sehr großen Verbiss durch die Gänse.
Bringt ihr einen Verbissschutz gegen Wildtiere an?
Peter: Wir haben hier auch Rehwild, aber ich habe das nicht als ein großes Risiko angesehen. Auch Hasen haben wir hier viele, aber ich habe es riskiert, nichts zu machen. Denn das Schützen ist natürlich sehr aufwendig und vor allen Dingen auch sehr teuer.
Jannis, du hast das System mit geplant, standest bei der Pflanzung mit auf dem Acker – wie sieht die Zusammenarbeit in Zukunft aus?
Jannis: Ich möchte die Gänseweiden inklusive dieses Agroforstsystems bei mir in der Forschung mit einbringen. Dort geht es um die Nutztierhaltung in Agroforstsystemen. Und hier ist das spannende, die Gänse in unterschiedlichen Weidesituationen beobachten zu können. Wie nehmen sie das Agroforstsystem an, wie nutzen sie die Schattenwirkung der Bäume in den zukünftigen Jahren? Wie kann man Gänse in ein Agroforstsystem für mehr Tierwohl integrieren und gleichzeitig die Gehölze vor den Gänsen schützen? Es ist, wie Peter sagte: Der Verbiss an den Bäumen ist problematisch. Es geht dann auch darum eine Lösung zu finden, wie man Gänse und Bäume auf eine gewisse Zeit voneinander trennen kann, bis die Bäume stark genug sind.
